Google: Die Pressewürge-Krake

Gestern gab es in unserer Gute-Laune-Butze eine angeregte Diskussion. Entfacht wurde sie von der Meldung, dass Google News einen Vertrag mit der EPA (= European Pressphoto Agency) abgeschlossen hat und künftig in den Google News auch Agenturtexte angezeigt werden. Google und die Nachrichtenagenturen teilen sich die Erlöse aus der dazu eingeblendeten Werbung. Die Google-Originalmeldungen können  hier und hier nachgelesen werden. Nur Reuters und die DPA machen bislang nicht mit.

Was bedeutet das für das “Webleben”?

*Spekulationsmodus an*: Möglicherweise wird Google die Agenturmeldungen sehr hochgewichten. Es ist anzunehmen, dass die Agenturmeldungen im Volltext angezeigt werden. *Spekulationsmodus aus*.

Der Leser bekommt nun gleich die gewünschte Information und klickt nicht mehr weiter z. B. zu Welt, Spiegel oder der SZ. Wenn die Meldungen der Zeitungen und Zeitschriften erst danach eingeblendet werden, bekommen die Redaktionen ein massives Problem. Sie übernehmen die Selektionsarbeit und Aufbereitung der Agenturmeldungen (z. B. indem sie Beziehungen zu anderen Themen herstellen, tiefer recherchieren) bekommen dafür aber keinen Besuchertraffic mehr.

Da sich Zeitungen und Zeitschriften aus einem gewissen Teil über Werbung quer finanzieren, brechen massiv Einnahmen weg, denn die Werbeerlöse sind abhängig von den Besucherströmen. Aus diesem Blickwinkel kann man die Aufschreie vom Spiegel verstehen (Wie Google die Redaktionen ausbeutet).

Ist die Freiheit und Unabhängigkeit der Presse in Gefahr?

Werden nur noch Mainstream-Nachrichten Topplatzierungen erreichen? Wie schnell würden sich so Fehlinformationen verbreiten?

Denn man muss sich immer vor Augen halten, dass Agenturmeldungen nicht von einer Redaktion überprüft worden sind. Zum Teil lassen es sich Nachrichtenagenturen bezahlen, dass sie Pressemitteilungen von Unternehmen über ihre Ticker laufen lassen. Und solche PR-Selbstbeweihräucherung landet in Zukunft ungefiltert bei Google News und erreicht eine große Öffentlichkeit? Bekommt womöglich sogar den allgemeinen “Nachrichten-Trust” in der Bevölkerung vererbt - getreu dem Motto “Es stand doch aber bei Google News!”. Halleluja! Da bekommt das Wort Nachrichtenwerttheorie ja eine ganz neue Bedeutung!

Wer ist der Gewinner und wer der Verlierer?

Zu den Verlierern zählen ganz klar die kleinen, unabhängigen Zeitungen und Zeitschriften, die so schon ums Überleben kämpfen.

Auf den ersten Blick gehört Google zu den Gewinnern. Doch was passiert, wenn der Eindruck wächst, dass der Konzern langsam zu mächtig wird? Könnte man auf Google im Web komplett verzichten? Derzeit lebt dieses Experiment ein News.de Reporter, der 7 Wochen auf Google verzichten möchte. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein! Wenn das alle Internetnutzer machen würden, dann stände Google auf dem Schlauch. In dem Fall würde das Google Geschäftsmodell zusammenbrechen. Noch besteht die Gefahr nicht, weil gute Alternativen zu Google fehlen. Doch man darf gespannt sein, ob vielleicht das Wolfram Alpha-Projekt das Potential dazu hat.

Klarer Gewinner sind wahrscheinlich die Nachrichtenagenturen. Diese bekommen nun das Geld nicht nur von den Redaktionen sondern auch von Google.

1 Kommentar zu “Google: Die Pressewürge-Krake”

  1. Roconti Greenhill  am 19. März 2009 um 13:03

    Ich finde, dass kleinen Webportale dort die Existenzgrundlage entzogen bekommen, sollte Google im Medien- und Informationsbereich seine Monopolstellung ausnutzen. Das Google eine Wirtschaftsmacht ist und durch gezielte strategische Maßnahmen das Licht von mehreren tausend Offline & Online Medien- und Presseportalen ausknipsen kann, bestätigt auch die folgende Meldung der NETzeitung

    Wenn der Welt-Zeitungsverband (Wan) ein Verbot der Anzeigen Kooperationen fordert (und dieses Thema ist bereits seit September 2008! im Gespäch), dann ist die Gefahr die von Google ausgeht durchaus ernst zu nehmen.

    Bis jetzt war Google immer “lieb” und hat diese Monopolstellung nicht ausgenutzt; bis jetzt…

    Doch momentan sieht alles danach aus, als ob bei Google bald “Schluß mit lustig” ist. Die Signale sind da und aus rein ökonomischer Sicht stellt sich auch die Frage, warum Google das Potenzial was es hat, nicht nutzen sollte.

    Für mich bleibt allerdings die Frage, was dann aus dem Wettbewerb passiert, den die Wirtschaft dringend braucht. Ich schließe mich der Meinung von Mautonique an und bin gespannt, ob das Wolfram Alpha Projekt dort erfolgreich sein wird und ob es was an der momentanen Marktauftreilung bei Suchmaschinen verändern kann.

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