Statistik Kraftfahrtbundesamt
Fahrschüler aus dem Osten rasseln öfter durch die theoretische Prüfung
Wer liebt Statistiken nicht? Das ist moderne Wahrsagerei! Mit ein wenig Hokuspokus wie Varianz, Mittelwert, diverser Koeffizienten und verschiedenen Tests lässt sich doch so einiges belegen.
Wie jetzt das Kraftfahrtbundesamt rückwirkend für das Jahr 2008 mitteilte, schaffen ostdeutsche Jugendliche seltener die theoretische Führerscheinprüfung. Schon schießen die Vermutungen ins Kraut, warum das so ist. Und alte Vorurteile werden fleißig gepflegt.
Doch bevor man sich zu irgendwelchen Spekulationen hinreisen lässt, sollte man einen Blick auf die Zahlen werfen:
- 25,5 % in Niedersachsen
- 25,6 % in Hessen
- 26,3 % in Schleswig Holstein
- 27,8 % in Bayern
- 28,2 % in Baden-Württemberg
- 28,8 % in Rheinland-Pfalz
- 29,0 % in Nordrhein-Westfalen
- 29,6 % in Bremen
- 30,3 % im Saarland
- 32,5 % in Hamburg
- 34,7 % in Berlin
- 40,4 % in Sachsen
- 41,7 % in Brandenburg
- 42,2 % in Thüringen
- 42,4 % in Mecklenburg-Vorpommern
- 44,4 % in Sachsen-Anhalt
Damit liegen zwar zwischen dem besten und schlechtesten Bundesland 18,9 Prozent-Punkte, aber selbst Hessen braucht sich nicht auf die Schulter zu klopfen, denn selbst hier fällt jeder Vierte durch.
Also, woran liegt es? An der Intelligenz der Jugendlichen vor allem in den neuen Bundesländern kann es jedenfalls nicht liegen. Hier korrelieren die Daten nicht mit den Ergebnissen des Pisatests, wo die ostdeutschen Bundesländer durch die Bank sehr gut abschneiden. Es gibt verschiedene Thesen, woran es noch liegen könnte:
- Mangelnde Motivation => Im Osten während die Gebühren zu billig.
- Mangelnde Vorbereitung => die Jugendlichen würden aus Kostengründen beim Lernmaterial sparen und hätten sich so nicht auf die aktuellen Fragebögen vorbereitet.
- Durch die Abwanderung würden die besten Köpfe ihren Führerschein in anderen Bundesländern machen und dort die Statistik nach oben treiben.
- Da die Führerscheinprüfung im Osten generell billiger ist, kommen diejenigen, die wonaders bereits durchgefallen sind, in den Osten und drücken da die Statistik.
- Die Maßstäbe im Osten seien etwas höher angesetzt als im Westen.
- …
Da es mehr offene Fragen als gesicherte Erkenntnisse gibt, wird demnächst eine weitere Studie zum Bestehen der Auto-Fahrerlaubnis in Auftrag gegeben. Aber vielleicht sollte man sich auch nur die Studie zum Bestehen der praktischen Fahrprüfung ansehen. Da zeichnet sich bereits ein etwas anderes Bild.
Hier liegt Hamburg vorn bzw. hinten. 41 % der zukünftigen Auto-Fahrer müssen hier mindestens noch einmal antreten. Am besten schnitten hier wieder die Hessen mit 19,8 % und die Baden-Württemberger mit 21,9 % ab.
Egal wie man es dreht und wendet, die Statistik belegt eindrucksvoll, dass der Erwerb des “Lappens” nicht so einfach ist, wie viele denken. Bevor man mit dem eigenen Auto durch die Gegend cruisen darf, muss man sich auf seine 5 Buchstaben setzen und fleißig die Theorie büffeln - egal ob Ossi oder Wessi, Nordlicht oder Südländer.



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